Aufgepasst, heute geht es zur Sache! Im letzten Artikel haben wir euch bereits ein bisschen zum Nachdenken angeregt, mit den folgenden beiden Zitaten von Paul Watzlawick.

 

„Ich weiß erst was ich gesagt habe, wenn ich die beim Empfänger angekommene Botschaft kenne“

„Wahr ist nicht was A sagt, sondern was B versteht“

Um zu erklären was damit gemeint ist oder warum er sich traut das genau so zu sagen, werden wir bereits bekannte Dinge mit neuen Fakten zusammenführen.

Eines geht aus beiden Zitaten schon mal hervor, der Empfänger scheint wohl nicht immer das zu verstehen was der Sender sagen will.

 

Die Entscheidung, darüber was wir als relevante Information wahrnehmen und für wahr halten, ist das Resultat einer komplizierten Selektion aus verschiedenen Möglichkeiten. Der Mensch nimmt nur einen Bruchteil der Signale wahr die ihn umgeben. Sie durchlaufen neurologische, kulturelle und individuelle Filter, die für die Verringerung der Komplexität sorgen, was zu einem jeweils sehr individuellen Abbild der Wirklichkeit führt.

 

Einige wichtige Phänomene in sind:

  • Das Vornehmen von subjektiven Ergänzungen und Interpretationen aus der Tendenz heraus, eine Ganzheit, Ordnung und einen Sinn herzustellen.
  • Die Beeinflussung der Wahrnehmung durch Gefühle, innere Bilder, Erfahrungen oder die persönliche Geschichte in Form von Verhaltensweisen und Konditionierungen, die aufgrund von Erfahrungen gelernt wurden.

 

Die meisten Informationen nehmen wir über Augen (visuell), Ohren (auditiv) und den Tastsinn (kinästhetisch) auf. Grundsätzlich nutzen wir alle drei Repräsentations-systeme. Jeder Mensch hat jedoch ein bevorzugtes System. Je deutlicher ein Mensch ein Repräsentationssystem bevorzugt, desto besser wird er wahrscheinlich darin sein, Details und Kleinigkeiten damit aufzunehmen. Informationen deren Verbreitung auf lediglich einem Medium beruht, werden sich in der Art und Weise, wie sie in einer Gruppe aufgefasst werden schon alleine durch die verschiedenen bevorzugten Repräsentationssysteme unterscheiden.

 

Ein weiterer Stolperstein auf dem Weg zu einem erfolgreichen Miteinander liegt in der Bedeutung der Wörter, die verwendet werden. Per se sind Wörter bedeutungslos. Sinn und Bedeutung entstehen erst durch Festlegung sowie über die Assoziationen mit Erfahrungen und Dingen.

Beispielsweise das Wort „Lernen“. Jeder verbindet den Begriff mit der Aufnahme von neuem Wissen. Je nach eigener Erfahrung, Interesse und Präferenzen können wir die Assoziationen, die beim Gegenüber hervorgerufen werden, unterscheiden.

Bei jemandem, der gerne neue Sachen erfährt und auf eine Weiterentwicklung seiner Person bedacht ist, werden positive Assoziationen geweckt, wie zum Beispiel eine neue Chance zur persönlichen Entfaltung.

Jemand, der sich beispielsweise während seiner Schullaufbahn sehr schwer getan hat die erforderlichen Ziele zu erreichen, kann negative Erinnerungen mit dem Wort verbinden und sofort an übermäßige Anstrengungen und Unwohlsein denken.

Bei beiden Charakteren werden deshalb sehr unterschiedliche Emotionen geweckt, wodurch die persönliche Haltung und damit auch die selektive Wahrnehmung stark beeinflusst werden können.

 

Wir haben bereits das sehr populäre Kommunikationsquadrat von Friedemann Schulz-von Thun kennengelernt.

Die hier abgebildeten inhaltlichen Aspekte einer Mitteilung zielen einzig auf die Senderseite ab. Unberücksichtigt blieb dabei die Empfängerseite und in welcher Form diese mit den Informationen umgeht. Das korrigiert er in seinem Vier-Ohren-Modell. Das beleuchtet analog zu seinem Kommunikationsquadrat ebenfalls alle vier Aspekte der Kommunikation, jedoch von Seiten des Empfängers. Inhaltlich bleiben die jeweiligen Aspekte bzw. Ohren unverändert. Lediglich die Interpretationsebene verschiebt sich auf den Empfänger.

  • Das Sach-Ohr konzentriert sich objektiv auf die Frage, worum es geht.
  • Das Beziehungs-Ohr hinterfragt die Art und Weise der Kommunikation und wie der Gegenüber zu einem Selbst zu stehen meint.
  • Das Appell-Ohr sucht nach der Aufforderung, was will er von mir, was soll ich tun?
  • Das Ohr der Selbstkundgabe hinterfragt den Sender. Was will er mitteilen will und was hält er von sich.

 

Bei vielen Empfängern kommt es zu einseitigen Empfangsgewohnheiten, wenn eines der Ohren auf Kosten der anderen besonders gut ausgebildet ist.

Durch den selektiven Gebrauch der eigenen vier Ohren wird der Empfänger bedeutungsmächtig. Schulz von Thun beschreibt weiter wie die freie Auswahl des Empfängers zu Störungen führen kann, wenn der Empfänger auf eine Seite Bezug nimmt, auf die der Sender das Gewicht nicht legen wollte. Oder wenn der Empfänger überwiegend nur mit einem Ohr hört, und damit taub ist (oder sich taub stellt) für alle Botschaften, die sonst noch ankommen. Die Bestimmung darüber, auf welchem Ohr wir eine Nachricht hören ist von unserer Erfahrung und der jeweiligen Situation abhängig.

Die Weise, in der die Ohren des Empfängers eingestellt sind, hängt davon ab, was der Empfänger von sich selbst hält, was er in der Situation des Senders gesagt und gemeint hätte und welches Bild er von dem Sender hat.

 

Das Bild, das er von dem Sender hat, wird wiederum durch Stereotypen geprägt. Das sind mentale Vereinfachungen komplexer Eigenschaften oder Verhaltensweisen. Diese dienen dem Gehirn dazu, Informationen zu kategorisieren, Vorhersagen zu treffen und das Verstehen der komplexen Welt zu vereinfachen. Sie haben grundsätzlich einen sehr guten und sinnvollen Hintergrund. Zum Beispiel: Knurrende Hunde sind gefährlich, da mache ich lieber einen Bogen drum. Unter solchen Vorannahmen verändert sich unsere Wahrnehmung.

 

Das Risiko besteht darin, dass das Bild das man von einem Gesprächspartner hat auch die Erwartung von einem Gesprächsverlauf beeinflusst. Diese Erwartung bestimmt wiederum, das Verhalten, unter anderem in Form von Mimik und Gestik. Die Erwartung die wir im Hinblick auf einen Gesprächspartner haben, beeinflusst mit welchem Ohr Informationen vornehmlich aufgenommen werden. Dabei haben wir die erste Bewertung eines Menschen schon getroffen, bevor dieser ein Wort gesprochen hat.

Wir hoffen, dass euch unsere Ausführungen sinnvoll und nachvollziehbar erscheinen.

Wenn ihr Fragen habt oder Kritik lasst es uns gerne wissen.

Bleibt Interessiert.

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